Begegnung

Ulla Klaeger führt mich an eine im ersten Moment unspektakuläre Stelle, irgendwo draussen am Fusse des Wetterhorns. An einen Ort, an dem sie schon viel Zeit zugebracht hat. Wo sie jeweils sitzt und die Berglandschaft, das Wasser, Abgeschliffenes und Raues, aber auch die Kargheit der Umgebung in sich aufsaugt. Diesen allumfassenden sinnlichen Eindruck trägt Ulla dann als inneres Bild ins Atelier zurück. Es sind Eindrücke von Farbschattierungen und Strukturen, die in ihre grossflächigen abstrakten Acrylbilder einfliessen. Die Maserung eines Blattes erkennt sie wieder in den Formen von gefaltetem Fels oder der schlängelnden Bewegung es Bergbachs, im allerkleinsten Felssplitter ist der ganze Berg abgebildet, vielleicht auch die ganze Welt. Für sie drückt sich darin Verbundenheit und Einheit aus. Die daraus entstehenden Bilder von Ulla sind im wörtlichen Sinne „gewichtige“ Werke, da sie eingesammeltes Material mörsert und der Acrylfarbe zugibt. Wenn auch noch mehrere Farbschichten übereinander liegen, gewinnen ihre Bilder nicht nur an Dreidimensionalität, sondern auch an Masse, womit sie gewissermassen das Ureigenste auszeichnet, das zum Berg und zur Landschaft, zum Motiv gehört.

Anita Schürch